Im Herzen des Prenzlauer Bergs werden im Herbst 2009 hervorragende Zeugnisse der literarischen und künstlerischen Opposition Ostberlins aus dem letzten Jahrzehnt der untergehenden DDR präsentiert.
Anders als die Generation der Autoren und Künstler vor ihnen, war dieser Szene nicht mehr an einem Konsens mit den sozialistischen Verhältnissen und ihrer Vertreter gelegen. Sie wandte sich ab von jeder Art staatlicher Institution und ignorierte offiziell geführte Diskurse und vorgegebene Modelle.
Sie nutzten die zunehmende Unsicherheit des Staates und die sich dadurch öffnenden Freiräume. Ihre Netzwerke erlaubten ihr eine völlig neue Art der Kreativität. Es arbeiteten Dichter mit bildenden Künstlern, mit Fotografen, mit Bands und Zeitschriftenmachern zusammen. Es gab Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Modenschauen oder Theateraufführungen in privaten Wohnungen, Ateliers und auf Dachböden oder Hinterhöfen im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg und es entwickelte sich eine eigenständige zweite Kultur, die ihren Niederschlag u.a. in den originalgrafischen Zeitschriften und in den zahlreichen Künstlerbüchern fand.
Diese Vielfalt der Aktivitäten abseits des Konsens´ wurde zum selbstbestimmten "Weg aus der Ordnung" (Uwe Kolbe), der für jeden einzelnen völlig neue Freiräume für eigenständige, kreative Lebensformen barg. Diese sich mehr und mehr unabhängig verwirklichende Szene wurde für viele eine eindrucksvolle geistige Vorhut, die auf ihre Weise den Untergang des Systems vorweg nahm.

Die Materialfülle erlaubt uns, eine bemerkenswerte Ausstellung zu präsentieren, die es in dieser Vielfalt und thematischen Dichte so noch nicht gegeben hat.